neues von den Nibelungen?

Rheinbach, Seite 9

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Neues von den Nibelungen?

Artikel v.04.06.2002 General-Anzeiger-Bonn

(K)eine Spur von Goldrausch in Loch

Rudolf Patzwaldt behauptet: Der Schatz der Nibelungen liegt nicht im Rhein, sondern in alten Erzstollen in der Voreifel - Das Gerücht vom Gold unter der Pferdekoppel kursiert seit Jahren

Von Sina Kaiser

Rhein-Sieg-Kreis. Vor einigen Jahren wären die Bewohner von Loch wahrscheinlich mit Schaufel und Spaten losgezogen, um den riesigen Goldschatz zu suchen, der unter einer Wiese unweit ihres Dorfes vergraben sein soll. Heute belächeln sie derartige Geschichten. Zu oft, sagen Alteingesessene, hätten Wichtigtuer behauptet, dass der Schatz der Nibelungen nicht in den Fluten des Rheins, sondern in alten Erzstollen bei Rheinbach in der Voreifel liegt. Dort vermutet ihn zumindest der Diplom-Finanzwirt Rudolf Patzwaldt. Bereits seit 18 Jahren sucht der Wahl-Münchener, der lange Zeit im Rheinland als Steuerbeamter tätig war, Indizien für seine Behauptung, das Rheingold liege unter einer Pferdekoppel in Loch.

Seine Argumentation stützt er auf das Nibelungen-Lied. Dabei bezieht sich Patzwaldt auf Wörter wie "rin" "Worms" und "sancte". Die ursprünglichen Erklärungen dieser Wörter waren Rhein, Worms und gesunken. Patzwaldts Deutung: Mit "rin" sei nicht der Rhein, sondern Rheinbach gemeint und "Worms" stehe nicht für die gleichnamige Stadt sondern für den Ort Wormersdorf. Dass aus "sancte" später "versenken" wurde, sei "völlig grundlos" geschehen. Dieses Wort beziehe sich auf den germanischen Betrugs- und Unterweltgott Loki, dem Hagen von Tronje den Schatz weihte, um seinen Meuchelmord an Siegfried zu "sanct"-ionieren, sich also reinzuwaschen.

Die Bewohner von Loch schütteln darüber den Kopf. Sie hören nicht zum ersten Mal von Patzwaldts Theorien. "Für mich ist das alles Quatsch, Wichtigtuerei nichts weiter", sagt Ortsvorsteher Peter Eichen. Wenn dort wirklich alte Erzstollen unter der Wiese lägen, würde man schließlich Rückstände von Abtragungen oder Erhöhungen feststellen. Seit 1936 wohnt Eichen in Loch und auch sein früherer Heimatkundelehrer habe nie etwas über diese Geschichte erzählt. "Und der hätte es ja wissen müssen." Dass niemand mehr in Loch die Theorien über den unter der Pferdekoppel verborgenen Schatz ernst nimmt, liegt unter anderem daran, dass das Gerücht schon vor rund zwölf Jahren bei einem Sportfest kursierte.

"Wenn es wahr wäre, würde ich meine Schaufel nehmen und buddeln", sagt Sascha Lohmeier, ein Junge aus Loch. Die anderen Bewohner lässt der Goldrausch offenbar kalt. Zum Spaten greifen sie künftig wohl höchstens, wenn sie ihren Garten neu bepflanzen wollen.


Artikel v.06.06.2002 Express-Bonn

Amis wollen den Schatz heben
Das Nibelungen-Gold: Suche soll mit Dollar-Millionen finanziert werden, von ACHIM BEHN

Drachen-Bild Hagen versenkt
den Schatz im Rhein.
Alles falsch?


Foto: Langlotz

Bonn – Das sagenhafte Gold der Nibelungen. Nicht im Rhein soll es liegen, wie seit Ewigkeiten behauptet wird. Der Bonner Forscher Rudolf Patzwaldt ist sich sicher, dass der gewaltige Schatz, der der Sage nach auf 144 Ochsen-Karren transportiert wurde, in Rheinbach-Loch liegt (EXPRESS berichtete).

Patzwaldt will den Schatz heben, ist dabei aber auf die Hilfe finanzkräftiger Sponsoren angewiesen. Und nach dem EXPRESS-Bericht bekommt er jetzt kräftig Wind in die Segel. Eine deutsch-amerikanische Finanzierungs-Gesellschaft hat Interesse bekundet, will Patzwaldts Vorhaben sponsern.

Ein Manager der Gesellschaft, die ungenannt bleiben will, ist mit dem EXPRESS im Gepäck und Patzwaldts Unterlagen in die Staaten gereist. Hier will er reiche Amerikaner finden, die das Unternehmen finanzieren. Von mehreren Millionen Dollar ist die Rede. So läuft das Risikofinanz-System: Eine Fima finanziert die Ausgrabung, bekommt im Erfolgsfalle einen festgelegten Prozentsatz.

In Rheinbach-Loch dagegen ist man gar nicht begeistert. Ortsvorsteher Peter Eichen (65): „Das alles ist eine Erzählung und beruht wohl nicht auf Tatsachen.“ Auch Josef Schlösser (57) ist skeptisch: „Den Trubel, der mit einer Ausgrabung verbunden wäre, will hier keiner. Lass die Leute graben, ich würde darin nicht investieren.“ Ähnlich sieht‘s auch Michael Rhoos. Der 37-Jährige: „Wir haben hier eine tolle Gemeinschaft und genießen die Ruhe. Das soll auch so bleiben.“

EXPRESS war auch in Kalenborn. Hier könnte nach Patzwaldts Theorie Siegfried ermordet worden sein. „Siegfried wurde an einem kalten Brunnen ermordet. Kalenborn ist rheinisch und bedeutet nichts anderes als »Kalter Brunnen«. Karl-Josef Zimmermann (54), Wirt der „Kalenborner Höhe“ bestätigt: „Die Geschichte ist im Dorf seit vielen, vielen Jahren bekannt. Schon in der Schule haben wir Ausflüge an die Quelle des Swistbaches gemacht und dort alte Mauerreste entdeckt.“

Wo lag das Reich der Burgunder?

Einer der Angelpunkte in Rudolf Patzwaldts Thesen ist die Frage, ob es sich bei dem heutigen Dorf Wormersdorf (Ortsteil von Rheinbach) um das Vorbild des „Worms“ des Nibelungenliedes und bei dem umliegenden Land um das ehemalige Reich der Burgunder handeln könnte.

Patzwaldt beruft sich bei seinen Ideen auf einen Fachmann für die frühe Geschichte des Rheinlands: Professor Harald von Petrikovits. Auch der zweifelte in Aufsätzen an, dass die Wohnsitze der Burgunder bei Worms anzusiedeln sind.

Übrigens - warum heißt denn einer der "Berge" des Siebengebirgers bei Bonn "Drachenfels"?


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Diese Seite wurde am 08. Juni 2002 erstellt, letzte Änderung am 31. Dezember 2008
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