Didis Familienseiten, Nr. 65


Muttis geistiger und später körperlicher Abbau

14.02.2012: Das soll keine Seite sein, die sich lustig macht oder so, sondern aufzeigen, was auf einen zukommen kann, der seine Mutter oder Vater oder beide bei sich wohnen hat, die letzten Tage haben mich wirklich schockiert, aber dies Thema ist wohl ziemlich tabu?!
Aber der Reihe nach: dass alte Menschen zu großen Teilen in der Vergangenheit leben, war mir klar. Natürlich nerven die ewigen Wiederholungen, aber ich als Sohn habe wohl eine andere Einstellung dazu wie meine Ex-Frau, die uns wohl auch deshalb im Dez. 2010 verließ - ich liebe meine Mutter.
Ich will alles so sachlich wie möglich notieren, aber das ist nicht einfach.
Seit ein paar Wochen glaubte sie, es sei nachts jemand in ihrer Wohnung, ich versuchte, ihr klarzumachen, dass unter ihre Couch niemand paßt, nicht einmal ihr Stock, aber da lag angeblich jemand und pickste sie durch die Matratze mit einer Nadel!
Sie vergaß dauernd ihren Stock (weil sie auch ohne noch gehen konnte), und ich musste ihn suchen, aber er lag oder stand immer gut sichtbar z.B. im Schirmständer, aber sie sah ihn nicht!
Was ich ihr am vorigen Tag sagte, war eh weg, aber auch das wurde schlimmer. Dann waren plötzlich angeblich Kinder im Haus, auch ein Priester.
Ich habe seit längerem eine "Klingel", mit der ich sie zum Essen bat - es gongte also bei ihr. Am Freitag, also vor 4 Tagen, behauptete sie steif und fest, draussen seien Kinder, und eines hätte Geburtstag - sie machte die Haustür auf! Da sie klemmt, bekommt sie sie auch nicht wieder so zu, dass sie im Schloß ist!
Ich sagte ihr bestimmt 4 x, dass ICH geklingelt hätte, aber sie ließ sich nicht beirren. Dann viel mir auf, dass sie beim Sprechen etwas lallte. Im Nachhinein denke ich, sie hatte einen leichten Infarkt.
Der Samstag war relativ normal, ausser, dass in meinem Schlafzimmer eine Jacke von mir auf dem Boden lag und eine meiner Schlafanzugsjacken in ihrem Wohnzimmer - warum, konnte sie mir nicht sagen - sie war das niocht! Ich fuhr dann mit ihr essen, führte sie aber, weil sie sehr otrientierungslos war. Anschließend saß sie dann bei mir im "Büro". Sie musste aufs WC - fand es nicht (es ist gegenüber) Leider werde ich lauter, wenn ich mich aufrege, ein Erbe meines Vaters, das stört sie sehr, obwohl sie schlecht hört. Ich führte sie also aufs WC, danach stand sie im Flur und wußte nicht, was sie machen sollte. Dann fragte sie, wem das Haus gehöre! Nach dem Abendessen bedankte sie sich das erste Mal bei mir, dass ich sie so gut versorte - mir kamen die Tränen - sie wollte mich trösten! Ich brachte sie dann in ihre Wohnung hoch (ich hatte immer die Sorge, dass sie die Treppe runterfällt), obwohl ich im Moment auch nicht so kann - sie schlief dann angezogen auf ihrer Couch, ich deckte sie zu.
Am Sonntag ging ich wie die letzten Tage immer in ihre Wohnung - sie war nicht da! Ich ging runter - keine Mutter! Ich nochmal hoch, schaute unters Bett, in die Badewanne - nicht zu finden. Ich wieder runter, Gott-sei-Dank war die Kette noch vor der Haustüre, ich schaute die Kellertreppe runter - kein Licht, aber ich ging dann trotzdem runter - die Falttür war nicht ganz zu! Ich fand sie dann im Dunkeln auf dem Boden des Vorratskellers! Wenigstens hatte sie sich nichts gebrochen - bei ihren vielen Stürzen bisher immer Glück gehabt!
Ich schaffte sie hoch und setzte sie erst einmal in den bequemen Sessel, deckte sie zu und machte ihr Frühstück, gab ihr ihre Tabletten und Tropfen. sie hatte 2 verschiedenen Pantoffeln an. Ich ließ sie dann den ganzen Tag bei mir unten, sie schlief meist. Abends brachte ich sie wieder hoch - sie tat mir so leid.
In Rheinbach gibt es wohl leider keine "Gemeindeschwester" - man ist so hilflos in solchen Situationen!
Am Montag, also gestern, saß sie im Mantel auf ihrer Couch, hatte natürlich wieder nicht gefrühstückt. Ich ging dann mit ihr runter, setzte sie in den Sessel ("darf ich mich den hier setzen?") und machte Frühstück, konnte endlich jemand beim Arzt erreichen - leider nur die Vertretung (Murphys Gesetz), aber als ich ihr die Sachen schilderte, hatte sie sofort Verdacht auf Schlaganfall! Sie wollte sich um alles kümmern. Später kam dann ein Krankenwagen und nahm sie schließlich mit (und ein paar ihrer Sachen) in die Klinik, leider konnte ich gestern den ganzen Tag mit keinem der Ärzte sprechen, und zurückgerufen wurde ich auch nicht, das ist so ätzend: man macht sich Sorgen, möchte wissen, was ist, und bleibt uninformiert!
Heute rief ich wieder an: die Station darf nicht weiterverbinden, Durchwahl gibt es eh nicht, ich solle über die Zentrale. Dort wollte man durchstellen - der Doc hob nicht ab! Ich solle es nach 12 Uhr nochmal versuchen! Er rief mich dann von sich aus kurz nach 12 an, ich schilderte alles, mußte wieder heulen, er glaubt auch nicht, dass sie nochmal nach Hause kann, sie wird wohl in ein Altenheim kommen. Am Samstag sprachen wir in einem "lichten Moment" darüber, und sie sagte mir, wo sie gern hinmöchte. Ich wollte meine Mutter nie in ein Heim tun, aber
a) wäre ich sowieso überfordert, wenn sie ein Pflegefall würde, und
b) kann ich nicht rund um die Uhr auf sie aufpassen, so verwirrt, wie sie jetzt leider ist.
Ich kann leider nicht mehr die Verantwortung für sie tragen, zumal ich alleine bin und auch noch behindert.
Nochmal: ich will hier nicht meine Mutter anprangern, sie kann ja nichts dafür, ich möchte nur aufzeigen, was auf einen zukommen kann - das Haus ist so leer und ruhig ohne sie, man hatte sich so aneinander gewöhnt!
Und ich weiß auch nicht, ob sie jetzt Demenz oder Alzheimer hat, ich hoffe, ich werde die nächsten Tage mehr wissen.
2.3.2012: heute wurde Mutti entlassen, und ich habe mich um eine häusliche Pflege morgens und abends gekümmert - wenn nur Mutti machte, was man ihr sagt ... (nicht in puncto Pflegerinnen, sondern dass sie morgens von denen gewaschen und angezogen wird - sie ist meist schon angezogen!
Leider hat sie immer noch Wahnvorstellungen dergestalt, dass angeblich Fremde ihr Anweisungen geben, z.B., dass sie morgens um 5 Uhr in die Fabrik zur Arbeit muss!
Ich will jetzt nicht in Details gehen, aber Mutti stand schon 2x vor der Tür und wollte rein - in der Nacht um kurz vor 4! Und sie vergißt dauernd ihren Stock, obwohl sie mit kaum laufen kann.
Juli 2013? Mutti hat Pflegestufe 2, ich habe alle Klinken der Aussentüren abmontiert und die Haustür abgeschlossen.
12.09.2013 Mutti lt. Gerichtsbeschluß in einem Heim in BN-Mehlem. Sie war gefallen, Schulter gebrochen, angeblich hat ein junger Mann sie mit einem Stock auf die Schulter geschlagen, man dachte wohl, sie meinte mich.
12.02.2014 Mutti lag im Bett, kaum ansprechbar, aber sie hat mich erkannt.
06.03.2014 erneut Mutti besucht. Es tut weh, seine eigene Mutter so apatisch und hilflos im Bett liegen zu sehn, man ist so machtlos!

Mutti am 21.03.2011 Mutti am 21.03.2011 am 29.10.2013 mit mir Mutti und ich am 29.10.2013 im Heim und am 18.03.2015 Mutti und ich am 18.03.2015 im Heim

16.10.15 19:10 Anruf vom Heim - Mutti ist heute verstorben, sie möge in Frieden ruhen
05.11.15 13:00 Beisetzung von Mutti in der Urnenmauer

Urnenmauer Urnenmauer am 28.12.2015 Urnenmauer am 28.12.2015

Mein heutiger Blogeintrag: (30.07.2019 - es liegt mir immer noch auf der Seele)
Anfänge von Demenz?
Ich dachte immer, meine Mutter hätte den Weggang meiner letzten Frau nicht verkraftet, denn ich fand sie im dunklen Keller liegend mit Schlaganfall, danach war sie dement!
Aber jetzt, im Nachhinein (sie ist bereits 3 Jahre tot nach 2 Jahren in einem Heim) fallen mir Dinge ein, die wahrscheinlich der Beginn der Erkrankung waren:
ich ging 1 - 2x die Woche mit ihr in ein restaurant (verschiedene) essen, und da fiel mir auf, dass sie nach dem Essen minutenlang nicht mehr ansprechbar war, richtig "weggetreten"!
Einen Sonntag saßen wir im griech. Restaurant "Nepheli", und ich weiß bis heute nicht, wer die 112 gewählt hatte, auf jeden Fall tauchten plötzlich Notarzt und zwei Sanis mit Trage im Restaurant auf, untersuchten meine Mutter - alles sehr peinlich, ich sagte, dass sie das öfter habe, daraufhin ließen sie mich mit ihr nach Hause fahren, kamen aber hinterher - zu Hause angekommen konnte sie aussteigen und die Treppe rauf, als ob nichts gewesen wäre, ich vermutete, dass der Verdauungsprozess Blut im Gehirn abzog, aber auch der Notarzt vermutete keine Demenz!
Und dann passierte es, dass ich, auch wieder im "Nepheli", zu ihr sagte, sie solle den Cappuccino trinken, bevor er kalt würde, da griff sie NEBEN die Tasse, führte die imaginäre Tasse zum Mund, trank und setzte sie wieder ab und ich meinte: "Mutti, Du hast keine Tasse in der Hand gehabt!"
Später hilt sie mich manchmal für ihren Vater, nachmittags holte ich sie immer zu mir ins Arbeitszimmer zu einem Cappuccino, da sah sie auf dem Schulhof gegenüber eine Kirmes, dann stand sie auf, ich fragte "Was ist, Mutti?" und sie meinte, da käme ihr Vater sie zur Schule abholen.Zu der Zeit kam ein Pflegedienst morgens, sie von oben (Schlafzimmer) nach dem Ankleiden zu mir nach unten zu bringen (ich konnte zu der Zeit bereits nur noch gehen, wenn ich mich irgendwo oder woran festhalten konnte, und abends wurde sie wieder hoch gebracht.
Das Haupt-Problem war, dass sie immer aufstand und dann oft hin fiel (und ich musste alles abschließen), und eines Tages hörte ich ein Geräusch - sie war wieder aufgestanden und im Esszimmer gefallen, lag halb unter dem Tisch, hatte Schmerzen in der Schulter - mit großer Mühe konnte ich sie auf die Beine stellen und bat abends den Pflegedienst, ihre Schulter (mit vorhandener Salbe) einzureiben - "Nein, Herr Glaser, das dürfen wie nicht, nur mit ärztlicher Verordnung!" informierten aber hinter meinem Rücken unsere Ärztin, die am nächsten Morgen auftauchte - Verdacht auf Schlüsselbeinbruch, die wiederum ließ ihre Helferinnen nach einem freien Platz in einem KH tel., ohne mich zu informieren, und so kam sie am nächsten Tag ins KH in Euskirchen, und dort erzählte sie, ein junger Mann hätte sie an einer Unterführung mit einem Stock auf die Schulter geschlagen (es war ein Schulterbruch - da war sie 90). Man dachte wohl, ich sei der "junge Mann, dabei war ich da bereits 62! Auf jeden Fall kam eine Richterin mit einem Anwalt aus EU zu mir nach Hause, meine Generalvollmacht galt nicht mehr, kein Zugriff aufs Konto mehr (ich wollte noch eine Überweisung für sie machen, da war ich bereits gesperrt!), sie bekam eine Betreuerin vor die Nase gesetzt und kam direkt von Euskirchen in das Heim in Bonn-Mehlen, wo sie schon zur Kurzzeitpflege war, als ich ins KH musste, alles über meinen Kopf hinweg (und dann wollte man wohl mich entmündigen lassen, was ich rechtzeitig bemerkte)!
Für mich war eine Fahrt zum Heim (20 km Entfernung) immer sehr schwer, weil meine Mutter nur noch in ihrer eigenen Welt lebte - ich musste auf der Heimfahrt immer heulen.
Keiner, der das nicht selbst erlebte, kann da mit reden!
Und über Pflegedienste könnte ich auch ein Buch schreiben!
Diethelm

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Diese Seite wurde am 14. Februar 2012 erstellt, letzte Änderung am 30. Juli 2019
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