Mobbing-Seite

diverses, Seite 11

Meine Mobbing-Seite


Hier können Betroffene ihre "Erlebnisse" veröffentlichen lassen.

Hier zunächst 'mal einige Links zum Thema:
Mobbing-Zentrale e.V. (Hamburg) www.mobbing-zentrale.de/
Erste Hilfe für mobbing-Betroffene www.mobbing-web.de/ www.mobbinginfo.de
Mobbing and Bossing members.aol.com/Mobbi1999/index.htm
Mobbing am Arbeitsplatz www.beratung-therapie.de/leistungsproblematik/mobbing/mobbing.html
Mobbing-Gegenmaßnahmen www.brueckenbauer.ch/INHALT/9807/07zeit1.htm
ÖTV-mobbing www.oetv-nw1.de/info/mobbing/inhalt.htm
Private Page www.bulli1.de/
Private Page mobbing.here.de/
Antimobbing  www.mobbing.de/

Hier möchte ich ein paar Gedanken zu Mobbing im allgemeinen machen:

was ist überhaupt der Grund für Mobbing? Ich denke, dass die Berieselung mit Gewalt aus Fernsehen, Filmen, Videos und Zeitungen die Hemmschwelle heruntersetzt bzw.die Agression, die wohl in jedem von uns mehr oder weniger steckt, weckt. Hinzu kommt dann entweder Neid (Mißgunst), verletzte Eitelkeit, Machtgier, Geltungssucht und Karrierestreben. Und das schlimme ist, man kann sich fast nie zur Wehr setzen! Früher gab es auch Mobbing, aber erstens hieß es nicht so und zweitens war es nicht so extrem und häufig:

man tut sich gegen einen Kameraden (BW) zusammen, verbreitet einige Unwahrheiten, und schon ist man beim Vorgesetzten untendurch - man kann als Einzelner nicht gegen eine Meute ankommen, und wenn dann Vorgesetzte noch parteiisch sind, sieht's ganz böse aus :-(

Wenn sich ein Angestellter bei Chefs einschmeichelt, warum lassen die das überhaupt zu? Ich denke 'mal, damit sie überhaupt Informationen bekommen, aber damit sind sie ja leider schon voreingenommen. Vielleicht sollte man "Menschenführung" bei allen Firmen als Pflichtfach für Vorgesetzte einführen? Ich bin seit 1968 im Berufsleben und habe schon viele Chefs erlebt, leider haben viele zwar Fachwissen, aber das ist nicht alles. Als der OTTO-Versand seinerzeit das amerikanische System übernahm, habe ich gekündigt, weil ich kein Türklinkenputzer sein wollte, anderen wurde gekündigt. Bis dahin wurde Kundendienst groß geschrieben, und heute?...
Da ich ja in der Zeit, seit der ich online bin, Kontakt zu über einem dutzend anderer Betroffener habe, werde ich nachstehend einfach ohne Kommentar einige "Schikanen" aufzählen, die - ich weise extra noch einmal darauf hin - nicht unbedingt mit mir zu tun haben müssen, aber auf tatsächlichen Begebenheiten beruhen:

Ich bitte um Zusendung noch weiterer Mobbing-Fälle, die ich hier anonym unterbringe, vielleicht hilft es dem einen oder anderen (und vielleicht auch mir), sich dagegen zu wehren!?

einer Sekretärin manipuliert ein Kollege deren Software, so dass sie Fehler produziert - der Chef glaubt leider dem Kollegen. (Abhilfe würde hier wohl ein Passwortschutz schaffen, um Manipulationen auszuschließen);

Da werden großzügig Besucher (Bekannte) in einen Betrieb eingeladen, aber bei einem Betroffenen wird bei dessen Lebensgefährtin erst nachgefragt, ob sie hineindürfe. Und man spioniert nach und meldet, dass sie sogar auf der Toilette war!

Kollegen dürfen fleißig telefonieren, aber wenn einer selbst wichtige (erlaubte) Gespräche führen muss, wird er angeschwärzt, dass er dauern telefoniere (obwohl er auf eigene Kosten telefoniert);

Es gibt ja sogenannte Vertrauensleute, also Personen, die in den Behörden für Selbsthilfeeinrichtungen des öffentlichen Dienstes beratend tätig sind, ich selbst bin ja für die Debeka als Bezirksbeauftragter tätig gewesen und hatte viel mit solchen Vertrauensleuten zu tun, sie sind praktisch das Entrée des Außendienstes. Eigentlich ist diese Tätigkeit erlaubt, aber manche Firmen erlauben es nur einigen Personen, anderen nicht (hat nix mit Behinderung zu tun, aber womit denn?). Manchmal ist, so hörte ich, sogar das Verteilen von Prospekten verboten - man benutzt ja dann das Betriebsgelände!!;

In den meisten Firmen gibt es Dienstanweisungen, und es gibt auch einige, die sich daran halten, aber leider nicht alle. Werden nun die, die dagegen verstoßen, angeschwärzt? Mitnichten, es werden andere "Verstöße" gemeldet (zu lange Mittagspause usw.). Das Problem ist, wenn man dann zurückschlagen würde, hätte man keine Chance, weil die anderen ja zusammenstehen und man auf verlorenem Posten steht - man macht es nur noch schlimmer;

Wenn man sich von einem jangjährigen Partner trennt, wird sehr oft "schmutzige Wäsche" gewaschen, aber müssen dann auch Nachbarn, Kollegen und frühere Freunde aufgehetzt werden? Und die glauben dann auch noch den Tratsch! Was kann man schon gegen Verleumdung machen? Und ist das nicht auch Mobbing?

Ach ja, Krankheiten und Behinderungen: alle wissen natürlich besser Bescheid darüber als man selbst, ich kenne Leute, die unter Schmerzen arbeiten gehen aus Angst vor Kündigung, kann es das sein? Doch wohl nicht, es macht die Beschwerden ja nur noch schlimmer!

Bei uns Bechterew-Betroffenen ist es nun einmal so, dass man einen Tag kann und den nächsten wieder nicht. Meist ist ja am frühen Morgen das größte Problem (Morgensteifigkeit), dazu kommen dann noch die unregelmäßig eintretenden Schübe, bis man vollständig versteift ist. Bis dahin ist meist ein weiter Weg, es klemmt schon 'mal ein Nerv ein usw. Die meisten können eine Kiste mit Einkäufen tragen, aber nicht vom Boden aufheben. Und je weiter der Weg, desto schwerer (weil ja in der Regel auch das Lungenvolumen beträchtlich kleiner ist - nur noch ca.2 l., normal wären ca.5 l.). Wenn dann Betroffene sich einen Tag krank melden, ist das "Blaumachen", dann lieber eine Woche krankschreiben lassen oder wie?

Oft werden auch "Schikanen" angeordnet. Jede Fa.kann bei begründetem Verdacht verlangen, dass jeder Fehltag durch Krankmeldung belegt wird oder einen Angestellten zum Amtsarzt schicken - so etwas soll sich ja normalerweise gegen Blaumacher und Schwarzarbeiter richten, dachte ich bisher, und was heißt schon "begründeter Verdacht"? Aber alle "Bechtis" nutzen eh nur ihre Behinderung aus! Ich weiß von zwei Fällen, wo Betroffene von sich aus kündigten, weil sie die Belastung nicht mehr aushielten. Wenn man z.B. 2 Stunden mit Schmerzen im Wartezimmer sitzen muß, nur um eine Krankmeldung zu erhalten, finde ich das z.B.als Schikane, aber was soll man dagegen unternehmen?

Ein großes Problem ist sicherlich bei den krumm Versteiften, dass sie kaum noch nach oben schauen können. Leider hängen ja viele Sachen zu hoch (Kleiderhaken, Schlüssel usw.), ein Hohn ist es nur, wenn etwas auf Bitte hin tiefergehängt wird und sich dann Kollegen angeblich den Kopf stoßen, weil es zu tief hängt! Und Infos müssen natürlich in 2 m Höhe an die Wand gepinnt werden!

Dann gibt es noch die Variante, dass nette Mitmenschen einen als Luft behandeln - das wäre ja nicht weiter schlimm (man macht es halt genauso), wenn diese nicht andere Kollegen auch dazu anstiften würden!

Man ist ja heutzutage froh, dass man überhaupt Arbeit hat, aber aufgepaßt: man darf auch nicht zuviel können, sonst will man sich ja angeblich profilieren! Also, wenn man z.B.Gärtner ist, nur ja keine PC-Kenntnisse haben und mit anderen darüber reden!!! Oder Englischkenntnisse - auch ganz übel nach dem Motto "was ich nicht kann, darfst Du auch nicht können!"

Letztens kam ich mit einem Spediteur-Arbeiter ins Gespräch - ich wunderte mich über die späte Anlieferung. Nun, er war Ausländer, der deutsche Kollege hatte 30 Sendungen auf dem LKW und gab ihm noch 5 ab, er hatte dann insgesamt über 50 und traute sich aus Angst vor'm Rausschmiss nicht, das zu melden!!

Und wenn man es im Rücken hat, nun ja keine Kinder in die Welt setzen!! Sonst ist man ja Simulant (oder gibt es vielleicht doch rückenschonende Stellungen? :-) Wer weiß?)

Von RTL weiß ich ja, dass in USA mittels Video-Überwachung schon Kollegen überführt wurden, die in den Kaffee gepinkelt hatten und ähnliche Scherze. Das gibt es bei uns in Deutschland auch, nur leider keine Video-Überwachung. Wenn man ISDN hat und eine PC-Karte wie die Fritz!-Card, ist dabei ein Programm namens Fritz!Phon, welches jeden Anruf mit Nr.von digitalen Anschlüssen zeigt, ich sage nur: sehr nützlich, dieses Programm, genau wie die Tracker-Programme für Homepages.

Ein Leidensgenosse aus Österreich, der inzwischen Rentner ist, meinte, mit meinen Web-Kenntnissen stände mir doch die Welt offen - der kennt Deutschland nicht, über 30 ist man doch schon altes Eisen. Mobbing kennt der auch nicht, der Glückliche!

Von zwei weiteren weiß ich, dass der eine inzwischen arbeitslos ist und nur noch unter "Strom" wegen seiner Schmerzen, der andere erfolgreich umgeschult hat, weil in seiner alten Fa.die Arbeit zu schwer wurde, einige andere schrieben auch von Mobbing, diese bitte ich, doch einmal konkret ihre Erlebnisse mitzuteilen, sie interessieren bestimmt auch andere, leider.

Wenn alle etwas tolleranter wären, hätten alle Behinderten zu ihrem schweren Los nicht auch noch Anfeindungen zu ertragen.

Aber es fängt ja schon in der Schule an: meinem Stiefsohn wird gesagt, ich sähe aus wie der Glöckner von Notre Dame! Er haut dem eine und wird natürlich sofort von dessen Freunden bedrängt. Aber da ja heutzutage sogar Rollstuhlfahrerinnen vergewaltigt werden - wo soll das enden? Der Obrigkeit wird leider kein Respekt mehr entgegengebracht, sie steht eh mit einem Bein im Gefängnis (der böse Polizist und der arme Verbrecher oder wie?).

Auch im Chat wurde ich letztens angemacht "Du siehst fürchterlich aus!" und "Deine ekelhafte Krankheit" - damit kann ich leben, das sind arme Menschen, aber Mobbing kann man leider nicht unterbinden, man steht auf verlorenem Posten. Und sich mit "Geschenken" das Wohlwollen anderer erkaufen, da bin ich nicht der Typ für, das können wohl andere besser!
Hier ein Auszug aus einer mail einer Betroffenen vom Dez.2000:

...Bei mir kam noch hinzu (was ich erst in der Kur erfuhr) daß ich durch mein Verhalten meiner Kollegin ständig verdeutlichte wo ihre Schwachststellen waren - ganz unbewußt natürlich. Ich habe eine Sekretärinnenausbildung mit IHK-Stempel und da hat man eben gelernt zu organisieren - was ich für mein Leben gern tue. Als ich in diesem blöden Rotkreuzkrankenhaus war, wollte ich ja am liebsten erstmal alles durchorganisieren. In der Gruppentherapie fanden das andere über mich heraus. Auf die Idee wäre ich nie gekommen. Die Kollegin war ungelernt. War für mich aber kein Problem Aber für sie war es ein Problem, daß ich bald das doppelte Pensum schaffte und durch Organisation entsprechend mehr. Sorry, kann ich ja auch nichts dafür. Es hat mich nie gestört, daß ich mehr arbeitete - die Arbeit machte mir ja Spaß am PC, so wie ich jetzt am Internet kaum zu bremsen bin....(also unterstellte man Geltungssucht?!)
Auszug aus einer anderen mail:
Ein Freund von uns erlebt eben auch Mobbing. Er hat in einer neuen Bank angefangen. Die Kollegen sind fast nur Frauen. Der Arme! Also ich habe lieber mit Männern zusammen gearbeitet. Die sind unkomplizierter. Also er fing bei der Bank an mit einem wesentlich höheren Gehalt als die anderen, ist aber mit den Kolleginnen auf einer Ebene. Und er meinte, aufgrund des hohen Gehaltes den Mitarbeitern sagen zu können, wie sie jetzt zu arbeiten hätten. Die sahen natürlich rot. Schließlich ist er ja nicht der Vorgesetzte. Jetzt hat er auch noch einen Tiefgaragenplatz bekommen und andere Mitarbeiter, die schon viel länger da sind wie er, eben keinen. Da kann er jetzt wirklich nichts dafür. Du kannst Dir vorstellen, was da ab geht! Wie seine Frau erzählte, hat er sich mit seinem alten Chef getroffen. Vielleicht geht er ja wieder auf die alte Stelle zurück.
Ganz aktuell, heute (2.1.2001) gelesen - da wurde die Frau eines Ministers in England beim Schwarzfahren ertappt, der Kontrolleur tat seine Pflicht, sie zahlte. Der Betrieb gab diese Episode noch schadenfroh an die Presse weiter, jetzt ist der Kontrolleur arbeitslos! Angeblich wegen anderer Gründe!!
Mailt mir Eure Meinung oder benutzt dazu mein Forum, ich freue mich über jeden Beitrag!

Interview der Woche "Was tun gegen Mobbing?"von Niki Slawinski (bei "First Surf") http://www.firstsurf.de/interview0041_f.htm

Was genau ist überhaupt Mobbing? Wie werden unbeliebte Kollegen systematisch fertig gemacht? Und wie sollten Mobbing-Opfer reagieren? FirstSurf sprach mit dem Experten Prof. Dr. Oswald Neuberger über Konkurrenzdruck, Terrormethoden und übertriebene Zahlen.
Prof. Oswald Neuberger, Lehrstuhl für Personalwesen an der Uni Augsburg

FirstSurf: Wodurch unterscheidet sich Mobbing von einem gewöhnlichen Konflikt?

Professor Dr. Oswald Neuberger: Das ist ein Definitionsproblem, denn im Grunde gibt es zwischen diesen beiden Begriffen keinen existenziellen Unterschied. Unter dem sehr plakativen Namen "Mobbing" hat der schwedische Professor Heinz Leymann das Thema Konflikt unter Mitarbeitern wieder in die Öffentlichkeit getragen. Auch in Deutschland verbreitete sich dieses Thema unter diesem Begriff. Die US-Amerikaner hingegen reden zum Beispiel von "employee abuse" (Mitarbeiter-Missbrauch), der bekannteste Fall ist "sexual harassment", (sexuelle Belästigung). Und die Engländer sprechen von "bullying" (Tyrannisieren). Mobbing ist also nichts weiter als ein Begriff, mit dem die Öffentlichkeit für verschärfte Konflikte am Arbeitsplatz sensibilisiert werden soll.

Wie werden Arbeitskollegen gemobbt?

Dem Erfindungsreichtum im Schikanieren anderer Leute sind keine Grenzen gesetzt: Kollegen können ausgeschlossen, blöd angeredet oder vor anderen lächerlich gemacht. Man kann aufstehen, wenn sich der Kollege beispielsweise in der Kantine neben einen setzt, man kann ihm Arbeitsmittel wegnehmen, ihn mit Telefonanrufen terrorisieren, ihn über wichtige Termine im Unklaren lassen oder seine Termine heimlich absagen. Auch das Kaputtstechen der Autoreifen kann zum Terrorisieren dazugehören.

Wodurch entsteht Mobbing?

Es gibt sehr viele verschiedene Ursachen, die Mobbing hervorrufen. Oftmals resultiert das Phänomen Mobbing dadurch, dass in den einzelnen Arbeitsgruppen ein hoher Druck besteht, der Leistungszwänge und Konkurrenzstreben hervorruft, etwa dadurch, dass nur eine von mehreren Personen befördert wird oder eine Gehaltserhöhung bekommt. Unter diesem Druck wird dann häufig ein Sündenbock auserkoren, an dem sich die Mitarbeiter abreagieren. Es gibt aber wie gesagt noch eine Fülle von anderen möglichen Gründen, die dann im konkreten Fall angeschaut werden müssten.

Prof. Oswald Neuberger...
...Inhaber des Lehrstuhls Psychologie (Personalwesen) an der Uni Augsburg. Unter seinen Publikationen finden sich mehr als 20 Bücher und 130 Aufsätze. Prof. Neuberger ist Mit-Herausgeber der "Zeitschrift Personalforschung" und - zusammen mit Prof. D. v. Eckardstein (Wien) - der "Personalwirtschaftlichen Schriften".

Gibt es bestimmte Persönlichkeitsmerkmale bei Gemobbten oder Mobbern?

Es gibt Untersuchungen, die die Gemobbten als die eher schüchternen Versagertypen und die Mobbenden eher als konfliktbereite Täter ansehen. Solch eine Personalisierung des Themas geht aber meiner Meinung nach an der Sache selbst vorbei. Denn dadurch wird behauptet, dass es geborene Mobber-Täter und -Opfer gibt und es wird einzelnen Leuten moralisierend die Schuld in die Schuhe geschoben. Statt den Persönlichkeitsmerkmalen sollte aber das Geschehen insgesamt untersucht werden. Wenn in einem Unternehmen von zehn Mitarbeitern drei gehen müssen, ist vorauszusehen, dass es zu einem Hauen und Stechen kommen wird. Das hat dann weniger mit den Persönlichkeitsmerkmalen der Mitarbeiter als mit der konkreten Unternehmenssituation zu tun.

Wie sollten sich Mobbing-Opfer verhalten?

Es gibt in dem Zusammenhang eine Reihe von Empfehlungen, was Mobbing-Opfer tun sollen: Mit dem Täter, dem Betriebsrat oder den Vorgesetzten sprechen, zum Arzt oder Therapeuten gehen, Kollegen um Hilfe bitten oder einfach blau zu machen, um neue Kräfte zu sammeln. Wobei sich die Maßnahme, bei der das Opfer die Konfrontation mit dem Täter sucht, in Untersuchungen als die am wenigsten erfolgreichste Vorgehensweise herausgestellt hat. Verschiedene empirische Studien haben gezeigt, dass es in schweren Fällen für Mobbing-Opfer letztendlich das einfachste und sinnvollste ist, den Arbeitsplatz zu wechseln. Zum Vorgesetzten zu gehen hat oftmals keinen Zweck, weil diese teilweise selbst in die Mobbinggeschichte mit eingebunden sind oder zumindest für solche Vorkommnisse nur ungern die Verantwortung übernehmen.

Kann Mobbing bei den Opfern Krankheiten verursachen?

Studien finden immer wieder heraus, dass die Gemobbten sehr belastet sind und sich bei ihnen Symptome wie Schlaflosigkeit, Kreislaufprobleme oder Depressionen zeigen. Es nimmt einen natürlich mit, wenn man ausgegrenzt und fertiggemacht wird. Eine Untersuchung, die das Mobbing unter Schülern beobachtet hat, will festgestellt haben, dass das Terrorisieren von Schulkameraden in Einzelfällen sogar zum Selbstmord geführt haben soll.

Wie stark ist Mobbing in Deutschland verbreitet?

Durch die Literatur geistert immer wieder die Zahl 3,5 Prozent herum, manchmal ist auch von 8 oder 25 Prozent die Rede. Und es gibt eine Menge Hochrechnungen, die besagen, dass in der Bundesrepublik der durch Mobbing verursachte finanzielle Schaden in einer Größenordnung von 100 Milliarden Mark liegt. Diese Zahlen sehe ich alle als fragwürdig an, weil bei diesen Untersuchungen oftmals ohne Einschränkung sämtliche Fehlzeiten, Selbstmorde und alle Vorkommnisse von Produktsabotage dem Phänomen Mobbing zugesprochen werden, obwohl diese aufgezählten Probleme auch andere Ursachen haben können.

Warum werden solch scheinbar übertriebene Zahlen veröffentlicht?

Mit solchen hoch angesetzten Zahlen wird versucht, das Thema Mobbing in die Öffentlichkeit zu tragen. Man könnte auch von einer Art "Mobbingindustrie" sprechen. Schließlich gibt es viele Organisationen, die mit der Bekämpfung von Mobbing Geld verdienen, zum Beispiel Unternehmensberatungen. Diese haben ein Interesse daran, dass dem Thema eine große Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ich bezweifle aber, dass die Ausmaße von Mobbing in exakten Zahlen ausgedrückt werden können. Doch trotz dieser unseriösen Auswüchse ist das Thema Mobbing selbst von großer Bedeutung.

Wird Ihrer Meinung nach in Deutschland Mobbing genügend thematisiert?

Ich habe das Gefühl, dass die Zeit, in der Mobbing verstärkt thematisiert wurde, vorüber ist. Vor zwei Jahren war eine Art Boom zu beobachten. Heutzutage sieht man die Sache differenzierter und behandelt das Thema Mobbing, ohne künstlich hochzurechnen und zu dramatisieren.

Herr Neuberger, wir danken Ihnen für das Gespräch.

41/2000, 9. Oktober



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Diese Seite wurde am 02. August 2000 erstellt, letzte Änderung am 14. Dezember 2007
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